Vom Hermannsdenkmal in Detmold zur Bielefelder Sparrenburg – in jedem Jahr starten etwa 15 Läuferinnen und Läufer sowie einige Wanderer der LG Obersee um sich auf der schon fast vertrauten Strecke über 31,1 km mit den ca. 7000 anderen Laufbegeisterten der Region zu messen. Der nachfolgende Erfahrungsbericht fasst die Stimmung und Eindrücke eines Hermannslaufes zusammen:

Nervosität vor dem Startschuss

Jedes Jahr im April ist es soweit: Es ist Hermannslauf-Tag. Die Vorzeichen stehen gut, es solle ein schöner sonniger Sonntag bei angenehmen Temperaturen werden. Langschläfer darf man jedoch nicht sein, denn die Wanderer starten bereits mit den ersten Bussen gegen 7 Uhr in Richtung Detmold. Die Läufer können sich dagegen etwas mehr Zeit lassen.

 

Auf den beinahe 45 Minuten Busfahrt bis nach Detmold gehen mir die wildesten Gedanken durch den Kopf – habe ich genug getrunken, wäre eine kurze Laufhose vielleicht doch angenehmer gewesen, genügt die antrainierte Kondition für die anspruchsvolle Strecke? Alle diese Fragen sollen später nicht unbeantwortet bleiben.

Am Hermannsdenkmal angekommen – die Stimmung steigt mit, je mehr die Zeit voranschreitet und die Atmosphäre im Startfeld treibt den Puls nach oben. Der Startschuss fällt, es geht los! Musik begleitet uns auf den ersten Metern: „…Highway to Hell“. Endlich kann ich das zeigen, woraufhin so lange trainiert wurde. Der ganze Aufwand macht plötzlich Sinn. Man ist dabei, ja sogar mittendrin.

„Was für ein schönes Gefühl!“

 

Geht es denn nur bergab?

Die ersten Kilometer gehen sachte bergab und verleiten zu sehr dazu, das Lauftempo von Beginn an hoch zu halten. Doch die Kondition muss schließlich noch reichen für die wirklich anspruchsvollen Steigungen. Spätestens am Tönsberg ist zu merken, was den Hermannslauf so einzigartig und unberechenbar macht.

Es sind die verschiedenen Untergründe, auf die man sich immer wieder neu einstellen muss. Von Sandboden, über Schotter- und Waldwege mit Ästen und Bodenwurzeln, Kopfsteinpflaster in Oerlinghausen sowie Asphalt ist fast jeder Bodenuntergrund „vertreten“ – im wahrsten Sinne des Wortes: nicht wenige Hermannsläufer stolpern und stürzen, weil Ihnen der Untergrund arg zu schaffen macht.

 

Die Versorgungsstationen sind die gern gesehenen aber auch kurzen Verschnaufpausen des Laufes. Viele nehmen sie wahr und versorgen sich mit Wasser, Elektrolyten, Bananen oder Toastscheiben. Manche lassen diese jedoch links liegen und denken sich: „Jede Sekunde zählt“!

Beste Stimmung in Oerlinghausen

In Oerlinghausen angekommen erfreue ich mich an den vielen jubelnden Zuschauern. Was für eine grandiose Stimmung! Es sind Leute mit kühlem Bier und Bratwürstchen in der Hand zu sehen. Ich denke mir insgeheim: [quote]„…da könnte ich jetzt stehen, statt mich hier zu quälen!“[/quote]Es befallen mich erste Zweifel, weshalb ich mir diesen Lauf eigentlich antue. Im Schopketal dann setzen die ersten Schmerzen ein, die Waden beschweren sich langsam aber sicher über die zurückgelegten Kilometer. Insider wissen, ab hier geht der Hermannslauf erst richtig los!

Der Kampf gegen die vielen kleinen Steigungen, die Schmerzen in den Beinen und die Gewissheit, dass es noch 11 Kilometer bis ins Ziel sind. Wohl dem, der diese Gedanken ausblenden kann. Doch die einzigartige Stimmung der vielen Zuschauer tragen mich von Minute zu Minute. Immer wieder ertappe ich mich bei dem Blick auf die Laufuhr. Ein guter „Sechserschnitt“ – Zufriedenheit steigt in mir auf. Weiter so, Du packst das!

Zuschauer motivieren zu Höchstleistungen

Links und rechts vom Wegesrand gibt es Heerscharen von Zuschauern mit Plakaten, gut gemeinte Mutmacher sind überall zu lesen und zu hören. An den Lämmershagener Treppen gabelt sich die Strecke. Ein Schild weist den Weg für diejenigen, die keine Kraft mehr für die vielen Treppen haben: „Weicheier rechts!“, „Hermänner links!“. Der Ehrgeiz packt mich. Natürlich geht es links über die Treppen. Ein weiteres Schild sorgt für Bestätigung: „Helden sterben nicht im Bett!“, wie wahr!

Nachdem die Osningstraße überquert ist, läuft es wie von allein. Die Gewissheit im Nacken, bald im Ziel zu sein, bejubelt von hunderten von Zuschauern. Die Glückshormone haben mich bereits voll im Griff. Welch ein unbeschreiblich schönes Gefühl es ist, auf die Promenade einzubiegen.

Zielsprint auf der Promenade

Nur noch ein einziger Kilometer trennt mich von dem innig ersehnten Ziel des Hermannslaufes. Ich höre in mich hinein, auf die Antwort der Muskeln wartend, ob ich die letzten Meter noch Kraft für einen Zielsprint aufbringen kann. Unter tosendem Beifall sprinte ich mit einem Tunnelblick hinein in den abgegrenzten Zielbereich.

Das Zieltor rast immer schneller auf mich zu. Die Arme reißen in die Höhe, die Ziellinie ist da! Ich habe es geschafft! Der Hermann ist bezwungen! Es überkommt mich das Gefühl von absoluter Zufriedenheit und tosender Euphorie. Welch ein schönes Erlebnis.

Es hat sich wieder einmal mehr als gelohnt. Ich erinnere mich an das eine Schild irgendwo auf dem 31,1 km langen Weg. Darauf stand geschrieben: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“ Welch wahre Worte könnten es besser beschreiben. Schon jetzt bin ich mir sicher: Nächstes Jahr bin ich wieder mit dabei!